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Ein Beruf wurde Berufung

Annette Kuhn betreut in ihren medizinischen Perücken- und Maskenbilderstudios Patientinnen mit Haarverlust
Gudrun Ott, Foto: Gudrun Ott, privat, Märkische Allgemeine Zeitung vom 8.7.2011
Annette Kuhn ist seit 25 Jahren Maskenbildnerin
Erst behandelte Annette Kuhn als Maskenbildnerin Prominente. Jetzt hat sie zwei eigene Studios und kümmert sich um Patienten.
Ludwigsfelde / "Das Leben ist kostbar, dieses Wissen zieht sich durch meine Biographie", sagt Annette Kuhn. Dass die Diplom-Designerin und Maskenbildnerin heute in Potsdam und Ludwigsfelde Zweithaarstudios führt, sich in die Situation ihrer Patientinnen gut hineinversetzen kann, kommt auch aus eigenem Erleben. Eigene Krankheit, ein chronisch krankes Kind, der Tod des anderen Kindes und eine folgenschwere Gehirnblutung des Ehemannes verlangten der jungen Frau viel Kraft ab. Grundlage ihres beruflichen Erfolges aber ist ihre hohe Qualifikation. Mit 22 Jahren, am 10.Juli 1986, erhielt Annette Kuhn das Diplom als Maskenbildnerin. Ein Traum hatte sich erfüllt, der sie begleitete, seit sie zwölf Jahre alt war. Damals bekam sie eine Filmrolle, und was sie beim Schminken unter den geschickten Händen von Maskenbildnern entstehen sah, faszinierte sie derart, dass sie dem Wunsch ihrer Eltern, beide in der Medizin tätig, nicht entsprechen konnte. "Ein Medizinstudium kam für mich nicht mehr in Frage", so die zierliche, tempramentvolle Frau. Sie bewarb sich für ein Praktikum bei der Defa in Babelsberg, war die erste Praktikantin in der Abteilung Maskenbild überhaupt, und sie hatte das Glück, zu den zehn Studenten zu gehören, die jährlich an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden angenommen wurden. Eine Lehrausbildung zur Friseurin, zwingende Voraussetzung fürs Studium, hatte sie zuvor beendet. Eigentlich sei der Tag, an dem das Diplomübereicht wurde, nicht wirklich ein Freudentag gewesen, erzählt Annette Kuhn mit einem Lächeln auf den Lippen. "Ich habe ja gern studiert und mit großer Leidenschaft Wissen angeeignet. Nun war mein geliebtes Studium zu Ende, jetzt begann der Ernst des Lebens." Dabei war das Arbeiten in den Babelsberger Filmstudios durchaus etwas, was sich viele Menschen wünschten. Prominenten Schauspielern für ihre Rolle das "richtige Gesicht" zu geben, das sei eine herrliche Zeit gewesen, aber jetzt sei sie beruflich und menschlich angekommen, sagt die 47-Jährige und: "Ich hatte in meinem beruflichen Leben noch nie das Gefühl, so gebraucht zu werden wie heute." In ihre medizinischen Perücken- und Maskenbildnerstudios kommen keine Kunden, es sind Patienten mit krankheitsbedingtem Haarausfall, die sie über viele Monate betreut. Dabei ist ves nicht nur die Perücke, auch das Make-up muss stimmen. "Ich widme mich den Betroffenen mit ganzem Wissen und in jeder Phase ihres Krankseins, so wie ich es auch für mich wünschen würde. Der Verlust der Haare verursacht keinen Schmerz, er trifft uns tief in der Seele. Darum bin ich auch Kummerkasten, das macht mein Tun so einzigartig."
Tag der offenen Tür im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde
Am Sonnabend, den 16.04.2011 lud das Evangelische Krankenhaus Ludwigsfelde zum "Tag der offenen Tür". Da mich eine enge Zusammenarbeit mit der Tagesklinik des Brustzentrums verbindet, wurde ich gebeten meine Arbeit an einem Stand allen Interessierten zu präsentieren. Neben verschiedenen Perücken zeigte ich, wie "Frau" Tücher binden kann oder man eine Perücke knüpft.
"Meine Perücke" im rbb

Anfang Juni 2010 hatte ich zu meiner großen Freude ein Team des Fernsehsenders RBB zu Gast, die einen kleinen Bericht über meine Arbeit gedreht haben. Den beiden Patientinnen, ohne deren Mitarbeit der Beitrag nicht möglich gewesen wäre zolle ich Bewunderung und danke ihnen sehr. Der RBB hat damit ein Thema aufgegriffen, dass in der Öffentlichkeit gern tabuisiert wird. Meinen Grundsätzen folgend wurde dabei auf jede Sensationshascherei, wie bei vielen Boulevardmedien üblich, verzichtet.
Am Dienstag, den 29.Juni 2010, im Vorabendprogramm der Sendung Zipp, war die Ausstrahlung.
Unter www.rbb-online.de im Archiv der Internetseite findet sich die Nennung.
Patienten und Besucher können den Beitrag auch weiterhin im Studio ansehen.
Antje Birke starb am 15.12.10 im Alter von nur 46 Jahren. Sie wollte auch mit diesem Filmbeitrag weiter in Erinnerung bleiben. Mein tiefes Beileid gilt der Familie.
Der Potsdamer Woche 17 - Mittwoch, 28.April 2010

(im Original nachzulesen auf der Internetseite der Zeitung www.preussenspiegel-online.de unter Archiv 17.KW 10)
Angst vor der Krankheit
Annette Kuhn berät Krebskranke bei Haarausfall
Potsdam (man)
Haarausfall und Ängste plagen Rita Miose (Name geändert). Die 50-jährige ist an Krebs erkrankt, denkt an die Chemotherapie. Wenn sie in den Spiegel blickt fühlt sie sich unwohl. Annette Kuhn versucht zu helfen. Die Maskenbildnerin erklärt Erkrankten in der Brandenburgischen Krebsgesellschaft, wie sie die richtige Perücke finden, gibt Schminktipps und will aufheitern. "Ich möchte das Wohlbefinden der Frauen steigern, Ihnen einfach eine schöne Zeit bereiten. Manchmal haben die Frauen vor dem Haarausfall genauso viel Angst wie vor der Chemotherapie", weiß Kuhn.
Seit 2001 widmet sie sich Menschen mit Krebs. Sie will zeigen, "wie kostbar Momente sein können." Wichtig sei es, einfühlsam zu sein und gut zu hören zu können. Wenn sie Postkarten von der Kur erhalte und ein Lächeln, sei das ein schöner Dank. "Vor Jahren hätte ich das menschlich nicht hinbekommen, ich denke dass man dafür reifer sein muss", verrät die Diplom Maskenbildnerin. Sie packt ihren Schminkkoffer aus, redet über Haarfarben, Eyeliner, die Frauen hören gespannt zu. Der erste Schminkkurs für Krebskranke findet in den Räumen der deutschen Krebshilfe statt. Kuhn will kein Leid von Patienten erzählen, verweist auf die Schweigepflicht. Wichtig ist ihr, dass die Frauen ihr Leid für ein bis zwei Stunden vergessen können.
Mutmacher Jetzt und Hier - Menschen, die in Berlin und Brandenburg bewegen
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Berliner Zeitung vom 20.11.2009
"Mut bedeutet für mich, sich über den Wert des jedes einzelnen Momentes bewusst zu sein." A. Kuhn
Eine Frisur fürs Leben
Früher hat Annette Kuhn Defa-schauspieler geschminkt – heute schenkt sie mit Perücken Kranken neuen Mut von Gudrun Ott
Annette Kuhn hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Sie besitzt einen Facharbeiter als Damen- und Herrenfriseurin, absolvierte erfolgreich die Hochschule für Bildende Künste in Dresden, arbeitete als Diplom-Maskenbildnerin und Designerin; zunächst für die Defa, später auch für Fernsehen und Theater.
In der DDR war Annette Kuhn die jüngste Maskenbildnerin; nach der Wende profitierten Prominente wie Franziska Troegner, Ursula Karusseit, Götz George und Otto Sander von ihrer Kunstfertigkeit. Mit Teams von Fernsehserien durchs Land zu reisen stellte sie aber auf Dauer nicht zufrieden: Annette Kuhn wollte etwas Eigenes, und das nicht nur, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben.
Im Juni diesen Jahres hat sie den Schritt gewagt und in ihrem Wohnhaus das Zweithaarstudio „Meine Perücke“ eröffnet. Verträge mit den Krankenkassen bilden eine wichtige Grundlage. Denn gute Perücken, denen man das Zweithaar auch auf den zweiten Blick nicht ansieht, liegen im oberen Preisbereich: Zwischen 125 und 1800 Euro kostet ein Exemplar, das höchstens 75 Gramm wiegen sollte. „Die Menschen, die zu mir kommen sind in der Regel verdammt junge Frauen“,erzählt die 45-Jährige. Und dass jedes Schicksal sie persönlich berührt.
Annette Kuhn hat es fast immer mit Menschen in extremen Situationen zu tun. Ihnen fallen die Haare aus, krankheitsbedingt. Sei es durch die Chemotherapie nach einer Krebsdiagnose oder durch die Erkrankung Alopecia areata, die mit kreisrundem Haarausfall beginnt. Deutschlandweit ist einer von 10 000 Menschen davon betroffen. Neben Echthaar bekommen sie bei der lizensierten Händlerin das Beste, was es derzeit auf dem Weltmarkt gibt, sozusagen den Ferrari unter den Perücken: Das in Japan erfundene „Cyberhair“ besteht aus atmungsaktiven Kunstfasern, die Wasser aufnehmen können und so auch nass noch natürlich aussehen. Nach dem Trocken fällt das patentierte Kunsthaar in eine vorgeformte Frisur zurück.
Nach den Wünschen ihrer Kunden arbeitet Kuhn ein Frisurengedächtnis in den Perückenrohling ein, das ein Leben lang hält. Eine ganze Woche braucht sie für eine maßgefertigte Perücke, bei der man zwischen rund 60 Farbnuancen auswählen kann. Ihr Lieferkreis ist weit gefasst: Das südliche Land Brandenburg gehört ebenso dazu wie die nur wenige Kilometer entferne Hauptstadt. Wem die Kraft für den Weg nach Ludwigsfelde fehlt, den besucht sie zu Hause.
Neben den Perücken knüpft die Friseurin den Patienten auch künstliche Wimpern und gibt Kosmetik- und Schminkseminare – eine Arbeit, die viel psychologisches Einfühlungsvermögen verlangt. Wer bei Annette Kuhn klingelt, kommt immer auch zu einer Freundin. „Ich verstehe mich als Mutmacher und bin mit meiner Arbeit zufrieden wie noch nie zuvor in meinem Leben“, sagt sie. Dass sie damit etwas weniger Geld verdient als in ihrem alten Job, ist der Brandenburgein nicht so wichtig. Das Ergebnis zählt.
Geheult vor Glück habe eine ihrer Patientinnen als sie auf einem Kreuzfahrtschiff die Haare im wind flattern ließ, ohne fürchten zu müssen, dass ihr die Perücke vom Kopf fliegt, erzählt Kuhn.
„Das Filmemachen war eine tolle Zeit. Aber jetzt habe ich mich auf eine seelische Gratwanderung begeben, die mich erfüllt.“
Schwimmperücke und Frisurengedächtnis

Diplomierte Maskenbildnerin eröffnet eigenes Zweithaarstudio
von Gudrun Ott, MAZ 1.10.2009
Die Frauen, die zu ihr kommen, sind in der Regel jung, verdammt jung, erzählt Annette Kuhn, und dass jedes Schicksal sie berührt. Annette Kuhn hat es fast immer mit Menschen in extremen Situationen zu tun. Ihnen fallen die Haare aus, krankheitsbedingt. Sei es durch Chemotherapie oder durch die Erkrankung an Alopecia Areata, die mit kreisrundem Haarausfall beginnt und von der immerhin einer von 10.000 Menschen betroffen ist. Annette Kuhn ist lizensierte Händlerin fürs Zweithaar und dank ihres umfassenden hohen handwerklichen Könnens wird sie auch besonderen Erwartungen gerecht.
Darüber hinaus bekommt man das Beste, was es auf der Welt gibt, sozusagen den Ferrari unter den Perücken. Cyberhair ist patentiertes Kunsthaar, das an Modernität und Fortschrittlichkeit kaum zu überbieten ist. Sicherer Sitz und atmungsaktives Material lassen sportliche Aktivitäten zu. Eine solche Perücke sieht selbst in nassem Zustand noch wie natürliches Haar aus, da die Faser Wasser aufnehmen kann. Es fällt nach dem Trocknen in die vorgeformte Frisur zurück.
Handwerkliche Perfektion
Annette Kuhn arbeitet nach den Wünschen ihrer Kunden in die Perücke, die als Rohling geliefert wird, ein Frisurengedächtnis ein, das quasi ein Leben lang hält. Um Menschen mit Perücken auszustatten, die ihrer Persönlichkeit entsprechen, bedarf es handwerklicher Perfektion und psychologischen Einfühlungsvermögens. Der 45-jährigen diplomierten Maskenbildnerin ist auf zurückhaltende Weise beides eigen. Wer bei ihr klingelt, kommt zu einer Freundin. Sie vermittelt mit ihrem fröhlichen Wesen Zuversicht. Wem die Kraft für den Weg nach Ludwigsfelde in den Robert-Uhrig-Ring fehlt, den besucht sie auch zu Hause. Sie knüpft künstliche Wimpern, gibt Schminkseminare.
Annette Kuhn hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Sie besitzt den Facharbeiterbrief als Damen- und Herrenfriseur, absolvierte erfolgreich die Hochschule für Bildende Künste in Dresden und arbeitete als Maskenbildnerin und Designerin zunächst für die Defa, später auch fürs Fernsehen und fürs Theater. Von ihrer Kunstfertigkeit profitierten so Prominente wie Franziska Troegner, Ursula Karusseit, Götz George und Otto Sander. Mit großem Herzen stellt sie ihr Können in den Dienst der Kunden, ob die nun als Patienten, von der Krankenkasse unterstützt, vor ihr auf dem Stuhl sitzen, oder als Modefan sich einfach eine Abwechslung wünschen.
Klinik-TV-Präsentation
Seit 18.Februar 2011 läuft nun auch meine Klinik-TV-Präsentation in der Klinikum Ernst von Bergmann gGmH, wo ich mit meinem Perücken- und Maskenbildnerstudio eine Zweigstelle betreibe. So stelle ich mich und meine besonderen Dienstleistungen Patienten und Interessierten vor. Das Klinik-TV ist Informationsquelle und Unterhaltungsanbebot für Patienten und ihre Angehörigen.